22. Oktober 2009
Hier gibts erste Reaktionen auf unsere gestrige erfolgreiche Premiere im HAU3/ Berlin.
"Walking my dragon" von Two Fish/Dish in Berlin
"Walking my dragon" setzt den Weg fort, den Angela Schubot und Martin Clausen bereits in früheren Arbeiten von "Two Fish" gegangen sind: ihre neueste Produktion, die im Berliner HAU 3 zur Uraufführung gelangte, ist wiederum eine Experimentalanordnung, die Kommunikationsräume im weitesten Sinne untersucht. Während frühere Arbeiten einen Fokus auf das Zusammenspiel von Sprache, Bewegung, Wahrnehmung und Beziehungsgeflechten richteten, ist an "Walking my dragon" neu, dass das Element der Musik hinzutritt.
Die vier Tänzer, Martin Clausen, Ayara Hernández Holz, Andreas Müller und Juli Reinartz, bewegen sich parallel mit der Rockband "Dish" auf der selben Bühne – und befinden sich gleichzeitig in völlig unterschiedlichen Ereignisräumen: Räumen unterschiedlicher Perzeption und Emotion, aber auch aus- und zueinanderdriftenden Licht-, Sprach- und Bewegungsräumen. Im ersten Teil des Abends ist die räumliche Grenze zwischen Musikern und Tänzern, Musik und Bewegung in einer Parallelanordnung klar definiert: der Tanzraum ist quadratisch, von Wand zu Wand erschlossen, die Band bewegt sich lediglich in einem kreisrunden, inselartigen Ausschnitt, der durch die strenge Anordnung von Verstärkern, Boxen, Instrumenten und Mikrofonen hergestellt wird. Beinah in einem paradoxen Verhältnis steht so die Präsenz der Musik durch ihre schiere Lautstärke zum tatsächlichen Raum, den die Musiker korporal einnehmen.
Ihre Bewegungen sind weder rhythmisch noch arhythmisch auf die Musik abgestimmt, respondieren auf oder ignorieren diese nicht bewusst, so dass der Eindruck entsteht, Musiker und Tänzer befänden sich auf unterschiedlichen raumzeitlichen Ebenen, in voneinander abgeschlossenen, aus- und wieder zueinander driftenden, völlig autonomen Ereignisblasen ohne vermittelnden Brückenbereich.
So ist es durchaus möglich, dass Ayara Hernández Holz in ihrem Ereignisraum ein Requisit findet, das sie in ihre Bewegung einbezieht, den Deckel des Basedrum-Cases des Schlagzeugers, jedoch in keinem Moment während dieser Zeit die Sphäre der Band betritt. Oder dass Martin Clausen von rechts durch die spielende Band hindurch auftritt, jedoch mit sich und seiner eigenen Welt beschäftigt keinerlei Notiz von ihr nimmt, sondern sinnend vor dem Schlagzeug stehen bleibt, ohne dort überhaupt ein Schlagzeug wahrzunehmen.
Diese zunächst konstituierten Ereignisgrenzen werden im Verlauf des Abends durchlässiger, die Raumzeit der Parallelwelten driftet aufeinander zu, um für Momente miteinander zu harmonieren oder zuweilen plötzlich, mit Witz, durchbrochen zu werden. Im zweiten Teil nach der Pause stehen sich Musiker und Tänzer wie zum Showdown gegenüber, linear aufgereiht, die Musiker mit dem Rücken zum Publikum.
Zu chorischen Momenten der Bewegung wird die Sprache als weitere Beziehungsebene eingeführt. Die Worte sind in ihrer Aussage scheinbar gehaltvoll, sogar emotional nachvollziehbar und zeitweise im Chor intoniert, doch fehlt ein endgültiger Sinn. Die formal ähnlichen, clusterartig angeordneten sprachlichen Wendungen wirken wie aus dem Zusammenhang gerissen: so, als würde ein ständig weitergezapptes Fernsehprogramm laufen.
Die Grundlage der Verständigung zwischen den Individuen fehlt, trotz des gemeinschaftlichen Vortrags, und auch die Wand aus Musikern, die zwischen Zuschauerraum und Tänzern steht und so entweder die eine oder die andere Seite zu einer Randgruppe marginalisiert - alles eine Frage der Perspektive -, bleibt davon unberührt.
"Walking my Dragon" ist ein hochinteressanter, in seiner Theorie wohldurchdachter, bisweilen merkwürdiger - sogar in Teilen mit schräger Komik durchsetzter - Abend im Grenzbereich zwischen Tanz und Performance, für all jene, die sich für die Idee vom Verhältnis des Körpers zum Raum begeistern können (und denen beim Einsatz elektrischer Gitarren nicht die Ohren klingeln).
"Walking my Dragon" vom 22.-24.10. in Berlin, Theater Hebbel am Ufer (HAU3), 28.10. Schwankhalle Bremen.
Elke Koepping
kultiversum.de, 22. Oktober2009, 13:30 Uhr
16. September 2009
Long time no write… Dabei ist es ein spannender Sommer gewesen. Nach dem Gastspiel mit Michael Laub/ Remote Control Productios in Salzburg (Alone/Gregoire) ging es für mich rasch weiter mit den Proben zum Bandprojekt von TWO FISH und der Kreuzberger Band DISH. Inzwischen sind gut zwei Monate Probenarbeit vergangen, und Band und Tänzer haben spannende Schritte aufeinander zu gemacht. In dem Versuch, so unterschiedliche „Grammatiken“ wie die einer Britrockband und die von zeitgenössischen Tänzern einander anzunähern, entsteht inzwischen so etwas wie ein Bühnenesperanto, dessen Wurzeln und Quellen aber nicht eingeebnet werden sollen.
Was sich gesellschaftlich immer mehr abbildet, dass nämlich die Unterschiede, die Gruppengrenzen, die Individualitätsbehauptungen offenbar verschwinden und sich jeder einzelne stärker und stärker zu anonymisieren sucht, beschäftigt uns in unserem neuen Stück besonders. Während TWO FISH und DISH nämlich gleichzeitig auf-, und gerade nicht gegeneinander antreten und so ganz selbstverständlich den Raum freigeben für Reaktionen aufeinander, fällt das Licht der Betrachtung gerade auf die Zwischenräume zwischen Gruppen, die es „realiter“ kaum mehr zu geben scheint.
Ganz exemplarisch finden hier dazu auch Musik und Tanz wieder in einem Performanceraum zusammen, ohne dass deswegen der Tanz verkörperte Musik oder die Musik illustrierte Bewegung sein müssten. Gehören die beiden noch zusammen? Und ist es gut, wenn ja, oder schlimm, wenn nein – oder umgekehrt? Ich bin sehr gespannt auf das Ergebnis, das in jedem Fall verspricht, alle Verschiedenheit stattfinden zu lassen und so ein weites Feld von Daseinsformen zu eröffnen.
walking my dragon gibt es ab dem 21. Oktober im Hebbel am Ufer/ HAU 3 in Berlin zu sehen.
Foto: Schütt
RECENTLY
Derweil reisen wir mit „perfekt (gewesen)“ durch die Lande; ein Gastspiel bei Wunder der Prärie in Mannheim ist sehr gut verlaufen. Die Show wurde live in die Festivalbar übertragen, um den vielen Menschen, die nicht in den Saal gepasst haben, die Suche nach Vergangenem und mehr oder minder unbewussten Einflüssen auf das Leben zumindest passiv zu ermöglichen.
Die Presse hats so gesehen:
MANNHEIMER MORGEN, 14.09.09
Das Sein und das Nichts oder: die fantastischen Fünf
Wunder der Prärie: Künstlervereinigung Two Fish zum Finale
Man muss nicht unweigerlich an das Werk "Das Sein und das Nichts" von Jean-Paul Sartre denken, wenn an der Gruppe Two Fish zuhört. Aber es kann einem auch einfallen. Sartre durchleuchtet das menschliche "Sein" in Abgrenzung zum "Nicht-Sein". Und das Stück von Two Fish mit dem sprechenden Titel "perfekt (gewesen)" stellt mit vielen sprachlichen Versatzstücken ebenfalls Fragen nach dem "Sein".
Fünf Personen betreten nach und nach die karge Bühne — nur eine Linie aus roter Neonröhre in der linken hinteren Raumecke und einige Neonröhren an der Decke im rechten Bühnenbereich. Rot und blau könnten als Gegensatzpaar für heiß und kalt stehen. Mal leuchtet die rote Linie in der Mitte auf, mal das kühle Deckenlicht und dazwischen viel gelbes Licht zur Ausleuchtung der gesamten Bühne und des Spiels der Personen. Die gehen zunächst nur im Raum aneinander vorbei, eher abwesend, ohne sich gegenseitig zu registrieren. Für das Stück ist das wesentlich. Erst die Interaktion der Personen, ihr Sprechen unterbricht das. Und gesprochen wird viel.
Es sind einzelne Sätze, die einer in den Raum wirft, immer leicht am Publikum vorbei, denn es geht nicht so sehr darum, sich angesprochen zu fühlen. Vielmehr sollen die Sätze und die folgenden Episoden ohne feste Verbindung im Raum vergehen. So bleibt etwa ein Spieler stumm mit einer Begrüßungsgeste stehen, ein anderer verweigert die Geste der Erwiderung und spricht "Nein, das mag ich nicht, das kann ich nicht, ekelhaft, will ich nicht, bäh, ist ja widerlich".
Und schon ist diese Episode vorbei. In einer nächsten spricht wieder jemand entweder in den Raum oder konkret zu einem anderen. Neben diesen Sprechakten geben die Körper der Spieler klare Signale von Aufgeregtheit oder Eifer oder Empörung oder Fassungslosigkeit. Und zuweilen ist eine Gruppe so ineinander verstrickt, dass sich am Ende alle verprügeln, mit festen harten Schlägen.
Am Ende sprechen alle Spieler gemeinsam — manchmal leicht versetzt — über einen Sachverhalt. So, wie man eben spricht, wenn man es kennt. Und genau darin liegt der Clou im Ganzen: Two Fish reißt sprachliche Muster an und lässt sie leer laufen im abwesenden teilnahmslosen Gestus der fünf Spieler. Bei Sartre heißt es "Das Sein ist dies und außerhalb dessen nichts". NAR
FORTHCOMING
Jetzt steht Bremen auf dem Plan. Am kommenden Freitag Abend sind wir mit dem Stück in der Schwankhalle und präsentieren im Anschluss in einer Lesung Texte aus den vergangenen TWO FISH Jahren, die im MaasMedia Verlag unter dem Titel „Ich hatte an diesem Abend auf eine dritte Person Lust“ erschienen sind.
Ich freue mich auf die kommende Zeit – herzliche Einladung allerseits zu kommen.
5. Juli 2009
Und nicht nur der.
Seit gestern streife ich durch die engen Gassen Salzburgs. Eine Melange aus Schnürlregen und Sonne begleitet mich morgens ins Café Tomaselli. So beginnen die Tage. Und dann: Alle Zeichen stehen auf Theater. Nicht nur, dass die Salzburger Festspiele kurz vor dem Auftakt stehen (das ist am 5. Juli); seit ein paar Tagen, genauer seit dem 25. Juni 2009, ist die Sommerszene (www.sommerszene.net) in vollem Gang.
Am Samstag, den 04. Juli bin ich nach einer Odyssee (Flug war gebucht, dann Umbuchung auf die Bahn aus persönlichen Gründen, Verspätungen, kaputte Stellwerke, kurz: DIE BAHN) hier angekommen.
Für die nächste Woche werde ich mit Michael Laub und Remote Control Productions auf Gastspiel hier weilen. Dafür bin ich sehr dankbar und freue mich, weitere Mitglieder der Company endlich persönlich kennenzulernen. (Einige traf ich zu einer Probensession bereits im April 2009 in Berlin, wo mir ein herzlicher Einstieg gewährt wurde! Danke allerseits dafür.) Mittwoch und Donnerstag (8. und 9. Juli, jeweils 21 Uhr) zeigen die beiden Ensemblemitglieder Astrid Endruweit und Greg Zuccolo die Performerportraits Alone & Gregoire, die Michael im Rahmen seiner seriell-theatralen Portraits (Portrait Series) eingerichtet hat.
Eine gute Festivalatmosphäre und (erneut) ein warmes Welcome der Gruppe für mich machen den Aufenthalt besonders angenehm. Bin unheimlich gespannt, wie alles läuft. Im Herbst starten wir dann in die neue Produktion, die im kommenden frühen Frühjahr eröffnet werden soll. Vorfreude meinerseits allerorten…
Hier kurz ein wenig von dem, was das Festival über „Portrait Series. Alone&Gregoire“ in der Ankündigung schreibt…
„Skurrile Wirklichkeit, ein persönliches Portrait.“ (Sommerszene 2009)
„sein theatralisches portraitieren hat michael laub an diesen zwei persönlichkeiten (sc. Astrid Endruweit & Greg Zuccolo) zur meisterschaft gebracht. wir erleben, wie sich skurrile lebenswege entfalten, bunte figuren in pointierten geschichten greifbar werden. persönliche historie stellt sich gegen zeitgeschichte, intime wahrheiten werden zum maßstab der menschheitsentwicklung.
»after leaving coquitlam i went to the royal winnepeg ballett. it was horrible.
one of my teachers was named galina, she was from bulgaria. and the first
time she met me, she said to the whole class: ›this boy, i hate you‹. then
she said: ›boy, what your name?‹ and i said: ›my name is greg.‹ ›cake? what
kind of name is cake?‹ and i said: ›my name is greg.‹ and she said: ›cake,
do people like you?‹ and i said: ›hm …‹and she said: ›cake, i don’t think so.«
(Auszug aus „Gregoire“)
darstellerisch und tänzerisch ist alone & gregoire ein feuerwerk an überzeu-
gender haltung, an gelungenen gesten und details. vielleicht weil es viel
mehr als darstellung, weil es womöglich autobiographisch und pure selbstdarstellung ist.
»die beiden performer astrid endruweit und greg zuccolo beweisen in ihren
solostücken: die begegnung mit ehrlichen persönlichkeiten voller selbstironie
kann für das publikum ebenso anregend, aufregend und reizvoll sein wie ein
aufwendig inszeniertes theaterspektakel.« hamburger abendblatt
Quelle: http://sommerszene.net/index.php?id=132&tx_noevents_pi1[showUid]=955.
Keine Frage, dass meine ungeteilte Aufmerksamkeit den kommenden Salzburger Tagen und Nächten gehört!
Dennoch spielt ja immer die Zukunftsmusik ein paar Takte ins Jetzt herüber. In diesem Falle handelt es sich um ganz andere, nämlich „Berliner“ Töne, insofern gleich nach meiner Rückkehr übernächste Woche die Proben mit Two Fish für das große Bandprojekt beginnen. TänzerInnen und die Band DiSh alle zugleich auf der Bühne – ein großes Spektakel, auf das ich mich nach der hervorragenden Zusammenarbeit bei „perfekt gewesen“ im Frühjahr 2009 schon freue.
Letzteres Stück wird am 12. September 2009 beim Mannheimer Festival „Wunder der Prärie“ sowie am 18. September in der Schwankhalle in Bremen zu sehen sein.
Infos zu FISH/ DiSh gibt es jetzt schon hier…
Wieder mal kurz und bündig.
Let the good times roll!
31. März 2009
So weit so gut - derzeit laufen einige Festivalbewerbungen für Happiness Now! INC. Das sind Brina Stinehelfer, Hilde Tuinstra, Leonard Bessemer und Thomas Schütt. Man darf also gerne die Daumen drücken für unsere interaktive group experience… Hier gibt es übrigens eine kleinen Eindruck von unserer Arbeit…
Frage: Wer ist der ominöse Anrufer?
Und nun zurück zu den Proben mit Michael Laub/ Remote Control Productions. Ich fühle mich enorm wohl dort!!! Später mehr…
20. März 2009
Hier gibt es den tanzforumberlin Trailer zu "perfekt (gewesen)" von TWO FISH… Einfach aufs Bild klicken…!
Nächster Termin: 10. & 11. April 2009, 21 Uhr im Studio des Mousonturm Frankfurt/M.

v.l.n.r. Lajos Talamonti, Jörg Witte, Peter Trabner, Angela Schubot, Martin Clausen.
Foto: Thomas Schütt
17. März 2009
Das Futur II ist ja so eine merkwürdige Sache, dass man versucht, heute schon zu antizipieren, was in Zukunft schon abgeschlossen und damit vergangen sein wird. Das Denken in Abschlussformen ist so eine menschliche Marotte, wo man doch das eigene Ende und den eigenen Anfang gar nicht kennengelernt haben wird (!). Umso schöner, wenn einstweilen Abgeschlossenes doch noch über ein Hintertürchen verfügt, durch welches man in Kommendes entwischen kann.
So haben wir "perfekt (gewesen)" von und mit Two Fish in Berlin vorerst abgespielt und sind vom Publikum reich belohnt worden. Drei von vier Vorstellungen komplett ausverkauft - und die vierte sehr gut besucht; allesamt von Jubel und Begeisterung gekrönt. Auch die Presse hat inzwischen reagiert:
BERLINER ZEITUNG » 2009 » 16. März » Feuilleton
Was wäre möglich?
Die Gruppe Two Fish zeigt "perfekt (gewesen)" im Hau 3
Michaela Schlagenwerth
Menschen sind Herdentiere. Gerne hängen sie sich an andere dran und
deswegen kommt vieles durcheinander. "Hey, bleib doch stehen, genau da wo
du bist", sagt in dem Stück "perfekt (gewesen)" im Hau 3 ein Schauspieler
zum anderen. Aber da ist es schon zu spät. Der eine ist einen Schritt auf sein
Gegenüber zu oder einen Schritt zurück gegangen und alles ist aus dem
Gleichgewicht. Aber die Sache mit dem Gleichgewicht ist sowieso nur eine
Illusion. Perfekt erscheint alles nur im Rückblick, wenn es uneinholbar vorbei
ist.
Seit neun Jahren experimentieren die Tänzerin Angela Schubot und der
Schauspieler Martin Clausen in ihrer Gruppe Two Fish mit den Grenzen von
Tanz und Sprache. Absurdes, verrücktes, manchmal geniales Geplapper
entfleucht da scheinbar unkontrolliert aus den Mündern. All das, was das
Unbewusste so hochspült und meistens unausgesprochen bleibt. Gerade in
den ersten Stücken entfaltete das einen ungeheuren Witz - gespickt mit
scharfen Alltagsbeobachtungen. Aber dann mit der Zeit, wurden die
Gedanken immer schwerer.
Im Hau 3 knüpfen die zwei jetzt mit Lajos Talamonti, Peter Trabner und Jörg
Witte mit "perfekt (gewesen)" wieder stärker an ihre alte Verspieltheit an. Es
wird viel gelaufen, man belauert sich gegenseitig, tut sich zusammen, schlägt
unvermittelt aufeinander ein, um gleich wieder in ein ebenso nettes wie
sinnloses Parlando überzugehen. Dieses Spiel erzählt viel von den Gesetzen in
der Gruppe, vom Abstandnehmen und Sich-zusammentun, von
Konstellationen, die sich bilden und wieder zerfallen. Davon, wie jeder seinen
Weg zu gehen versucht, aber immer andere ihn kreuzen.
Was also ist überhaupt gewesen, wo hatte man hin gewollt, was wäre möglich
gewesen? Mit kleinen Dingen versucht Two Fish große Fragen aufzuwerfen.
Nicht abstrakt, eher auf Boulevardniveau. "Ja, und dann haben die zu den
Leuten gesagt, arbeitet nur fünf Tage und abends habt ihr Feierabend und
dann kümmert ihr euch um eure Kinder." So, in dem Stil. Es geht unter
anderem um die Frage, wer denn nun Subjekt, wer Objekt der Geschichte ist.
Alle Two Fish-Stücke sind in einem solche Slang gehalten. Der Ton ist
sympathisch, verrückt, eigenwillig und funktioniert am besten, wenn er beim
Konkreten bleibt. Dann mag am Ende sogar ein hochphilosophischer Exkurs
daraus entstehen. In "perfekt (gewesen)" gehen Two Fish den umgekehrten
Weg. Nicht das Konkrete, sondern hochgehängte Theorie steht am Anfang
und dadurch bleibt das Stück irgendwo im Ungefähren hängen.
Noch heute, 20 Uhr, Karten: 25 90 04 27.
Das Stück wandert am 10. und 11. April an den Mousonturm in Frankfurt. Ich freue mich auf das, was der neue Raum mit dem Stück machen wird, vor allem aber darauf, die Kollegen in der gewohnten Runde wiederzusehen.
Derweil trete ich meine neue Position als persönlicher Assistent von Michael Laub/ Remote Control Productions an; für eine vierzehntätige Try-Out-Probenphase kommen wir Ende März zusammen und versuchen, gemeinsame Wege auszuloten. Auf zu neuen Ufern!
Ahoi - und auf bald…
12. März 2009
Ein Mensch geht über die Bühne und ein anderer schaut ihm dabei zu. Dass, in nuce, das Theater daraus besteht, hat Peter Brook einmalig in diesem Satz aufgefasst.
In der vergangenen Woche hatte ich das Vergnügen (danke Robert für Deine Gesellschaft!), dem Gastspiel von Hofmann&Lindholms „Faites vos jeux!“ beizuwohnen, einem Spielkonzept, das den Respekt vor Menschen (auf der Bühne) auf eindrucksvolle Weise unter Beweis gestellt hat. Vielleicht ist die Entdeckung gar nicht so groß, dennoch habe ich es zum wiederholten Male genossen, Menschen zu betrachten, wie sie – fokussiert – als sie selbst in Erscheinung treten und aus ihrem Leben „berichten“, erfinden, sich bewegen, sich zueinander verhalten.
Das ästhetisch feinsinnige Konzept von Hofmann&Lindholm, den Performern einen Parcour aus Vitrinen zur Verfügung zu stellen, in welche diese beständig mit großem Fingerspitzengefühl Versatzstücke, Treibgut der Gesellschaft (Milchtüten, Pelati-Dosen, aber auch Fotos etc.) einräumen und ausstellen, gibt den Akteuren viel Verantwortung für Exaktheit und, so der dramaturgische Clou des Ganzen, eine gemeinsame „revolutionäre“ Utopie an die Hand; die Leichtigkeit im Spiel, mit der diese Verantwortung erfüllt wird, spricht für ein großes Vertrauen in der Gruppe, das jeden einzelnen dabei unterstützt, sich in seinem Selbst-so-sein auf der Bühne auch anschauen zu lassen, ohne peinlich berührt zu werden oder entlarvt, und mit der eigenen Präsenz zufrieden zu sein. Ein sehr freundliches Stück, das viel Raum für scheinbar privaten, besser vertrauten Kontakt der Performer während der Show bietet. Vielleicht sind die bürokratischen Texte (die dem gesellschaftlich-institutionellen Zusammenhang des Stücks verpflichtet sind) ein kleiner Gegenimpuls zu dem humanistischen Anspruch auf der Bühne, über dessen (sc. Impuls) dramaturgische Richtigkeit man streiten könnte. Vielleicht braucht es aber auch diese „Entfernung“ oder Formalisierung, um im Endeffekt die Transparenz der einzelnen Personen in einem neutralen Licht entstehen zu lassen.
Heute Abend begeben wir uns mit Two Fish und „perfekt (gewesen)“ auf eine etwas andere Entdeckungsreise hinein in das Erinnern, wie es im einzelnen Menschen funktioniert und aus diesem heraus auch gemeinschaftlich etabliert werden kann. Ich freue mich auf einen Abend lang „Menschen anschauen“ und empfehle mich mit der Einladung, dem HAU3 doch bis Sonntag einen Besuch abzustatten – oder aber im April nach Frankfurt ins Mousonturm-Studio zu kommen.
Die Premiere ist komplett ausverkauft!!!!
On verra!!
5. März 2009
Wie nah sind die Dinge noch, die hinter uns liegen? Wie viel Erinnerung speichert so ein menschliches Gefäß? Kommt man an das Zeug auch wieder ran? Wenn ja wie – und will ich eigentlich, dass da jemand rankommt an das, was ich in mir gespeichert habe. Andererseits möchte ich gerne wissen, was in dem Gefäß mir gegenüber alles so enthalten ist. Alles?
Die neue Two Fish Produktion „perfekt (gewesen)“ ist ein besonders sensibles Gebilde aus Bewegung, Raumbewusstsein, Selbst-Bewusstsein, Vergangenheit und absolutem Jetztempfinden. Aber eben auch aus Erinnerungen, ganz konkret an erste Probentage, an Verabredungen, gerade Improvisiertes, das jetzt zur Verabredung erst ansteht. Immer wieder in neuen Konstellationen begegnen sich die Performer auf der Bühne, in immer neuen Dynamiken und Bögen. One by one. Warum soll der menschliche Körper schon an der Hauthülle enden? Es ergibt vielmehr Sinn, das „da draußen“ tolerant gleich zu schätzen mit dem, was in mir drin ist – denn einmal war das „da drin“ fast alles auch mal draußen. Auch die anderen Leute.
Wie unterschiedlich sich Menschen mit Vergangenem auseinandersetzen, wie unterschiedlich die Dinge gelagert sind, die einzelne Menschen abspeichern und nicht mehr vergessen, das zeigt die Arbeit mit unseren fünf Performern Martin Clausen, Angela Schubot, Peter Trabner, Lajos Talamonti und Jörg Witte. Jeder will auf seine Weise befragt oder nicht befragt, getroffen oder gemieden, weich geklopft oder sensibel berührt werden, um sich zu öffnen, aber immer nur so weit, wie es noch Raum braucht, um Ausflüchten nachzugeben oder sich ganz mit dem Gegenüber gemein zu machen.
Es zeigt sich auf eindrucksvolle Weise, wie wenig Positivismus es braucht, um Geschichte zu erleben; gleichzeitig wird sichtbar, wie viel Gemachtes das ist, was man Geschichte nennt, und wie selten dieses schaumige Gebilde „Zusammensein“, um Sloterdijk zu bemühen, in der Fülle seiner Bläschen und Membranverbindungen wahrgenommen wird.
Die Ohnmacht der Theorie und die Stärke körperlich-geistiger Präsenz – so könnte es in vielleicht zu großen Worten klingen, was auf dem Programm steht für die Premiere, auf die wir mit großen Schritten zulaufen. Nach zwei absolut gelungenen ersten Durchläufen haben wir noch ordentlich zu tun bis kommenden Donnerstag. Das ist aber auch gut so, zumal wir wissen, was das ist, was hinter uns liegt (drei intensive Wochen an der Grundsuppe und einige Dutzend biographischer Kapitel) und was noch vor uns liegt. Spannend das.
Besonders freue ich mich, als outside eye der Proben meinen Freund und Kollegen Robert Christott begrüßen zu dürfen, und bin gespannt auf die Berlinpremiere der Gruppe Hofmann&Lindholm, in deren Cast Robert aufgestellt ist.
On verra!

Foto Florian Braun
TWO FISH - “perfekt (gewesen)”
Premiere: 12. März 2009, 20 Uhr
13.-15. März 2009, 20 Uhr, HAU 3
HAU 3, Tempelhofer Ufer 10, Berlin
Karten 030 259 00 427
www.hebbel-am-ufer.de
14. März 2009, 21:30 Uhr - TWO FISH/ maas media verlag - Buchpräsentation: “ICH HATTE AN DIESEM ABEND AUF EINE DRITTE PERSON LUST” mit Claudia Basrawi, M. Clausen, Frank B. Halfar, Mario Mentrup, Angela Schubot, Lajos Talamonti, Peter Trabner sowie Tayfun Schulzke (Percussion) und Hannes Hüfken (Bass) - Eintritt frei.
10. und 11. April 2009, 21 Uhr, Studio Mousonturm
Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, Frankfurt am Main
Karten 069 40 58 95 20
www.mousonturm.de
Von und mit Martin Clausen, Angela Schubot, Lajos Talamonti, Peter Trabner und Jörg Witte Kostüme Lena Krapiwnikow Licht Benjamin Schälike Mitarbeit Thomas Schütt und Hanna Hegenscheidt Produktion Björn Pätz Produktionsassistenz Franziska Köhler
23. Februar 2009
Die Happiness Now! Inc. schätzt sich glücklich über das erfreuliche Echo auf unsere mühevolle Arbeit, dem wahren Glück auf den Fersen zu bleiben. HIER gibt es mehr zu lesen… Dank.

16. Februar 2009

Feeling frustrated? In despair? Are you tired of being disappointed by life?
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Per Aspera productions presents: Happiness Now!
a collaborative project by Brina Stinehelfer, Hilde Tuinstra, Thomas Schütt & Andrea Cadorin
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Playing at: HEBBEL AM UFER – HAU 1: Stresemannstr. 29 / 10963 Berlin
Time: Friday 20th February, starting at 20.00 / 20.30 / 21.00 & 21.30 hrs
Tickets: 030-25900427
On the occasion of: Theaterfestival 100°